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für Orchester und drei Dutzend Kinder nach drei Texten von Eugen Egner |
2010/11 |
Besetzung: 4.3.4.3 – 4.4.4.1 – Pk.3Sz – Sampler – Str (12.10.8.7.6) +Tontechnik [DETAILS] |
~31' |
Als Verfasser und Zeichner äußerst eigenwilliger Bildgeschichten bekannt, gilt Eugen Egner mit seinem literarischen Schaffen als bedeutendster lebender Vertreter der Grotesken Literatur im deutschsprachigen Raum. Seine Erzählungen, Romane und Hörspiele sind in einer (alp-)traumartigen Welt angesiedelt, in welcher — in vertrauter Umgebung und mit glaubwürdigster Selbstverständlichkeit — fortwährend Ungeheuerliches geschieht, während auf herkömmliche Fundamente der Selbstgewissheit nicht der geringste Verlass zu sein scheint. Von einer Komik, deren Nähe zum Schrecken stets spürbar ist, bietet das Egnersche Werk eine besonders reizvolle Grundlage für dramatische Formen.
Aber — der Untertitel des Stücks deutet es an — bei der Komposition Das Lied vom elektrischen Wind für Orchester und drei Dutzend Kinder handelt es sich um kein ganz gewöhnliches Orchesterstück. Den kulturpolitischen Routinen der vergangenen Dekade folgend, ist von seinen Initiatoren, der Akademie der Künste Berlin und dem Staatstheater Cottbus, auch mit diesem Vorhaben der ausdrückliche Wunsch verknüpft worden, diesem Werk ein kunstpädagogisches Vermittlungsprojekt beizugesellen. Im Falle des Lieds vom elektrischen Wind sollten etwa 35 Schüler der 5. und 6. Klassen der integrierten Grundschule "Carl Blechen" in Cottbus in die Aufführung des Werkes einbezogen werden.
Da an der genannten Schule keine geeigneten musikalischen Ensembles existieren, galt es, ein Konzept für den vermittelnden Aspekt von Das Lied vom elektrischen Wind (und damit natürlich auch für das Werk selbst) zu entwickeln, das diesem Umstand Rechnung trägt und die Kinder dennoch dazu befähigen (und vor allem natürlich dafür begeistern) könnte, an der Aufführung des Werkes mitzuwirken.
Im Verlauf einer neunmonatigen gemeinsamen Expedition wurden die Schüler mit den drei im Stück verwendeten Texten Eugen Egners, mit wunderlichen vokalen Ausdrucksformen aus allen Weltgegenden, mit besonderen Formen des sprachlichen Ausdrucks beim Vortrag von Texten, mit Interjektionen, ihrer Rolle im Comic und speziell in den Bildgeschichten Eugen Egners, mit den Möglichkeiten des Festhaltens von Klängen (in Notation und Aufnahme), mit den technischen Erfordernissen für eine Tonaufzeichnung sowie mit der Funktionsweise eines Synthesizers vertraut gemacht. Diese Forschungen mündeten in Resultate, die direkt in das Werk eingeflossen sind: Aufnahmen für das Zuspiel, Erarbeiten einer Sprachperformance für die Aufführung sowie die gemeinsame Entwicklung der Partien für Mini-Synthesizer für die Ecksätze des Werkes.
Der ersten Zusammenkunft am 21. September 2010 in der genannten Cottbusser Schule, bei welcher das Vorhaben allen Beteiligten vorgestellt und erläutert wurde, folgten — jeweils im Abstand von zwei bis drei Wochen — zehn weitere. In der Zwischenzeit erhielten die Schüler "Forschungsaufträge" und Übeaufgaben, die sie größtenteils allein, gelegentlich aber auch gemeinsam im Musikunterricht erledigen konnten.
Nach der letzten dieser 11 Zusammenkünfte Ende April 2011 folgte eine Probenphase im Mai, bevor das Werk am 22. Mai 2011 im Staatstheater Cottbus mit großem Erfolg zur Uraufführung gebracht wurde.
Eine umfangreiche Dokumentation (Texte, Photos, Video und Audio) zu dem neunmonatigen Schülerprojekt finden Sie unter der eigens eingerichteten, sich vornehmlich an Kinder richtenden Website blechenwind.
Die in der Komposition verwendeten Aufnahmen der Texte aus dem Roman wurden von dem Typographen Friedrich Forssman, dem Schriftsteller und Vortragskünstler Max Goldt sowie dem Komponisten eigens hierfür eingelesen.
die drei in der Komposition verwendeten Texte aus Eugen Egners Roman »Der Universums-Stulp«:

aus Eugen Egner: »Der Universums-Stulp«. – Zürich: Haffmans, 1993; S.71ff.

aus Eugen Egner: »Der Universums-Stulp«. – Zürich: Haffmans, 1993; S.51

aus Eugen Egner: »Der Universums-Stulp«. – Zürich: Haffmans, 1993; S.179f.
